Ein "Promi" namens Stress

Wäre Stress eine Person, würden wahrscheinlich viele von uns sagen: "Ja, ich kenne diese Person und sie begleitet mich leider zu oft in meinem Alltag". Andere würden es vielleicht auch nur denken und nicht offen aussprechen. Und einigen wäre diese Person möglicherweise völlig fremd.

Wäre Stress tatsächlich eine Person, wären viele von uns in der Lage - den Umständen entsprechend - angemessen auf diese Person zu reagieren :)


Naja, leider ist das nicht ganz so einfach. Stress ist keine Person und auch sonst nichts Anderes, das wir anfassen können. Er ist auch nichts, das um uns herum schwebt und mit einem Faustschlag zu bewältigen ist. Dennoch ist er etwas Prominentes in unserer Wahrnehmung.


Wir sind beispielsweise gestresst, wenn wir uns ständig wiederholen müssen, weil unsere Mitmenschen nicht aufmerksam genug sind. Wir sind gestresst, wenn wir uns auf wichtige Prüfungen vorbereiten. Wenn es auf der Arbeit wieder einmal Ärger mit dem Chef gibt oder Aufgaben unzuverlässiger Kollegen abgearbeitet werden sollen. Dann sind wir verärgert, wütend und frustriert.

Und warum sind unsere Sachen nicht mehr dort, wo wir sie gestern abgelegt haben?

 

Ich bin beispielsweise gestresst, wenn ich in einer kurzen Zeitspanne über viele Dinge nachdenke. Das fällt mir oft schon bei einer einzigen Sache schwer.

 

Okay, so weit, so gut. Man könnte viele Beispiele dafür finden, was uns Menschen stresst und ganz sicher werde ich mich noch mit einigen Beispielen intensiver auseinandersetzen. Dennoch kann man ganz einfach und kurz festhalten:

 

Wir Menschen verspüren Stress, wenn unsere grundlegenden Bedürfnisse subjektiv nicht ausreichend befriedigt sind.

 

Solche Bedürfnisse sind beispielsweise:

  • Liebe
  • Selbstverwirklichung
  • Anerkennung
  • Wertschätzung
  • Sicherheit
  • Kontrolle
  • Ruhe

Eine Nicht-Erfüllung oder Missachtung dieser Bedürfnisse stellt im weiten Sinne eine Bedrohung für uns dar und versetzt uns schließlich oft in Stress.

Allerdings möchte ich betonen, dass die subjektive Komponente ausschlaggebend ist.

 

Es bringt uns herzlich wenig, wenn wir uns von Leuten anhören dürfen, dass wir doch alles haben, was wir im und zum Leben brauchen und wir doch gar nicht meckern dürften. Wir sollten froh sein über die Dinge, die wir besitzen und machen können...

 

Nun gut. Ich frage mich oft: Wieso gibt es so viele Leute, die über ihr Leben klagen, obwohl sie doch alles, was sie im und zum Leben brauchen, tatsächlich besitzen?

Ich bin sicher, dir werden einige Beispiele aus deinem persönlichen Umfeld in den Sinn kommen, wenn du weiter darüber nachdenkst. Aber lassen wir es.

Das stresst nur unnötig :)

 

In der Stressforschung gibt es eine Theorie, die den subjektiven Aspekt im Zusammenhang mit unserem Stressempfinden anschaulich darstellt.

Anhand eines von mir gewählten Beispiels gehe ich kurz auf diese Theorie ein.

 

Du wirst ihn ganz bestimmt kennen - erst vorhin habe ich ihn noch gesehen und gespürt.

 

Regen.

 

Also: Du nimmst wahr, dass es regnet und stufst den Regen entweder als positiv, negativ oder unwichtig für dich ein. Diese Einstufung hängt davon ab, welche Erinnerungen in diesem Moment in dein Gedächtnis gerufen werden und welche Erfahrungen du im Zusammenhang mit Regen gemacht hast.

Klar, wir erinnern uns alle an gemütliche Couchtage bei Snacks und einer heißen Tasse Tee oder Kaffee - mach dir ruhig warme Gedanken :) - aber oft "sehen" wir einfach nur keine anderen Alternativen.

Wäge doch mal alle deine spontanen Gedanken zu "Regen" gegeneinander ab.

Ich persönlich komme so im ersten Schritt auf "negativ". Nicht so toll.

 

Gut, aber bitte noch nicht die Hoffnung verlieren. Erst in einem zweiten Schritt - praktisch viel schneller als theoretisch - machst du dir Gedanken dazu, wie du mit der Situation umgehst. Bewusst oder eher automatisch. Und wenn du jetzt keine andere Möglichkeit mehr siehst, außer deinen Nachmittag "gezwungenermaßen" zu hause zu verbringen, dann ärgerst du dich und bekommst schlechte Laune.

 

Jetzt soll es tatsächlich Leute geben, die sich vom Regen nicht verärgern lassen. Spazieren gehen, mit dem Fahrrad fahren - alles kein Problem. Ihnen macht es nichts aus, wenn die Schuhe dreckig und die Klamotten nass werden. Sie sind dann eben nicht verärgert und nicht schlecht gelaunt. Einfach cool drauf.

Was läuft in deren Köpfen ab?

 

An diesem einfachen Beispiel können wir sehen: Entscheidend für unsere Stressreaktion ist nicht, wie die Dinge objektiv tatsächlich gegeben sind, sondern wie wir sie subjektiv wahrnehmen und verarbeiten. Und eben nach dieser  subjektiven Verarbeitung und aus unserem persönlichen Blickwinkel heraus sehen wir eine Situation, wie sie eben "ist".

 

Wenn wir das einsehen und verinnerlichen, sind wir ein ganzes Stück weiter als vorher!

 

Und vielleicht hätten wir dann auch weniger Probleme mit diesem "Promi" namens Stress.