Die Stressfahrt in uns

Stressoren haben ihren Ursprung im äußeren Umfeld, wie beispielweise Lärm, soziale Konflikte oder Leistungsanforderungen oder im Inneren der jeweiligen Person, z.B. Schmerz, Krankheit, persönliche Zielsetzungen. Stressoren können unterschiedlich schnell oder intensiv auftreten und mehr oder weniger vielfältig wirken. Immer wieder auftretende und möglicherweise unscheinbare Stressoren sind nicht zu unterschätzen. Denn sie machen sich irgendwann als Alltagsstress bemerkbar und haben gewichtige Auswirkungen auf unsere psychische und körperliche Gesundheit.

Wechselbeziehungen zwischen Stressor und Organismus erklären, weshalb Menschen auf ein und denselben Stressor unterschiedliche Stressreaktionen zeigen und dass sogar dieselbe Person den gleichen Stressor an verschiedenen Tagen oder bei verschiedenen persönlichen Bedingungen anders erlebt und bewertet.

Als Menschen haben wir die Fähigkeit zukünftige Stressoren in Gedanken vorweg zu nehmen und ohne deren reales Vorhandensein Stressreaktionen hervorzurufen, z.B. die altbekannte Prüfungsangst oder das sogenannte "Lampenfieber".

Die dabei entstehenden inneren Bilder oder Erwartungen können leistungsfördernd oder leistungseinschränkend bis stressauslösend sein.


Allgemein: Das Verhältnis zwischen Belastungsgrad des Stressors/der Anforderungen und Belastungsfähigkeit des Menschen mit seinen körperlichen und psychischen Eigenschaften bestimmt die Stressreaktion. Dieses Verhältnis bestimmt, ob der vorhandene oder erwartete Stressor für die einzelne Person überhaupt zum Stressor wird und gegebenenfalls zu welcher Stressreaktionen es kommt.


Das Verhältnis zwischen diesen beiden Seiten können Sie sich als Waage vorstellen. Auf der einen Seite bestimmen Stärke und Dauer der Stressoren das Gewicht. Auf der anderen Seite sind Sie als Person mit Ihrem Gewicht bemüht, das Gleichgewicht zu halten oder durch Anpassungsvorgänge wieder herzustellen.

Wenn Sie ausreichend belastungsfähig sind, können Sie stärkere Stressoren tolerieren. Dabei sind Ihre Möglichkeiten jedoch begrenzt. Steigt das Gewicht der Stressoren im Verhältnis zu den Voraussetzungen Ihrer Person zu stark an oder wirkt es zu lange, kommt es zu Stressreaktionen, die sich negativ auf Ihre Belastungsfähigkeit auswirken können.

Die Stressreaktion selbst ist Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts körperlicher sowie psychischer Regulationssysteme. Bemerkbar macht sich das als Anspannung und notwendiger Leistungsbereitschaft oder als Überforderung und Gefährdung Ihrer individuellen Bedürfnisse.

Unser inneres Ungleichgewicht löst einen Anpassungsprozess aus, den wir als Anspannung erleben und unsere Stressreaktion darstellt. Das passiert automatisch und beruht auf einem angeborenen Reaktionsmuster, das durch Lernprozesse (mit-)entstanden ist. Die körperlichen und psychischen Reaktionen können erlebt werden, was eine Voraussetzung dafür ist, sich bewusst mit den Stressoren auseinander setzen zu können. Häufig nehmen wir solche Stressreaktionen nicht wahr oder verdrängen sie.


Anpassungsprozesse nach der Verschiebung unseres inneren Gleichgewichts sind die Grundlage unserer Lernprozesse.

Ohne erfolgreichen Umgang mit Anforderungen und Belastungen ist eine Weiterentwicklung unserer Persönlichkeit nicht möglich. Eine erfolgreiche Anpassung an das Gleichgewicht erleben wir als gelungene Stressbewältigung und bewerten diese positiv.