Die wichtigsten Gesundheitsprobleme in Deutschland

Wie in anderen reichen Industrieländern zeichnet sich in Deutschland die gesundheitliche Problemlage durch drei große Trends aus:

  • Kontinuierliche Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung
  • Chronische Erkrankungen
  • Zunehmend sozial ungleiche Gesundheitschancen

Seit etwa Mitte des 19. Jh. hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung ungefähr verdoppelt. Heute werden Männer durschnittlich 77 Jahre und Frauen 82 Jahre alt.

Nun werden viele meinen, dieser enorme Zugewinn an Lebensjahren ist durch die moderne Medizintechnik erst überhaupt möglich geworden.

Der britische Sozialmediziner Thomas McKeown fand in seiner berühmten Studie "The Role of Medicine. Dream, Mirage or Nemesis", dass nicht die Errungenschaften der modernen Medizin, also die Entwicklung von Antibiotika und Impfstoffen, für den Rückgang der seinerzeit vorherrschenden Infektionskrankheiten verantwortlich waren.

Vielmehr ist die Verbesserung der gesundheitlichen Lage auf soziale Veränderungen zurückzuführen, vordergründig auf eine verbesserte Ernährung und Hygiene. Später kommen noch die Leistungen der Bildungs-, Gesundheits-, Wohlfahrts- und Versicherungssysteme dazu. Aktuell schätzt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, dass gesundheitliche Verbesserungen zu etwa 10 bis 40 % auf das Konto der kurativen Medizin, also Maßnahmen, die auf Heilung einer Erkrankung ausgerichtet sind, gehen.

Mit der gestiegenen Lebenserwartung steigt auch die Häufigkeit chronischer Krankheiten. Im Erwachsenenalter zwar häufiger, aber auch schon im Kindes- und Jugendalter.

Kinder und Jugendliche

Psychische Störungen (Störung des Sozialverhaltens, ADHS, Angst, Depression, Essstörung u.a.)

Chronische Bronchitis

Heuschnupfen

Neurodermitis

Asthma

Adipositas

 

Erwachsenenalter

(Koronare) Herzkrankheit

Krebs

Psychische Störungen (Angst, Depression, Sucht u.a.)

Diabetes

Rückenschmerz

Asthma

Chronisch-obstruktive Bronchitis

Höheres Alter

Schlaganfall

Krebs

Koronare Herzkrankheit

Diabetes

Krankheiten des Muskelskelletes

Demenz


Soziale Ungleichheit bei Krankheit und Gesundheit. In Industrieländern wie Deutschland sind die Chancen auf ein längeres und weitgehend unbelastetes Leben trotz größtenteils gleicher Zugangsbedingungen zur medizinischen Versorgung sozial ungleich verteilt. In Deutschland leben Männer aus dem unteren Einkommensviertel im Durchschnitt 10 Jahre kürzer als Männer aus dem oberen Viertel. Bei Frauen liegen 5 Jahre zwischen diesen beiden Extremen. Dieser Unterschied bezieht sich nicht nur auf die Lebenserwartung. Die einkommensstärkere Schicht lebt durchschnittlich sieben Jahre länger ein krankheitsfreies Leben. Folgt man den Daten vergangener Jahrzente, vergrößern sich die Unterschiede weiterhin.